Der SchneideRing

Das poetische Hauptquartier

Thorstag Dreiundzwanzigster Hornung Siebzehn

Ich liege dann eines Tages da, und mit mir vergangen ist das, was ich geschrieben habe. Man kann seine Seele nicht mehr nachträglich korrigieren, und die eigenen Sätze sind dann ohne Geist, unterschrieben von einem bloßen Namen, der keine Bedeutung hat. So muß es dem Demiurgen ergangen sein, als er die Welt schrieb und dann […]

Ist das nicht ein Lied für dich?

Die Türen klappern und die Eulen kauzen, sie erledigen ihr finste­res Mahl. In den Katakomben wären sie die Herrscher der klandes­tinen Welt, auf den Bäumen aber sind sie die Augen der Nacht, de­nen das Flirren der vom Irrlicht angestrahlten Insekten die Straße in den Nebel ist. Aus den Schornsteinen schälen sich die Gespen­ster der Holzrinde […]

Mollusk II

Wie soll ich Verständnis aufbringen für etwas, das außerhalb meiner kognitiven Wahrnehmung liegt. Wüsste ich nicht, was Automobile sind, sagen wir, weil ich aus der Zeit gefallen sei, machte ich die naheliegende verstörende Beobachtung, dass diese glänzenden rastlosen Koleopteren all die Menschen fressen, die sie dann, nachdem sie mit ihnen davongeschossen sind, unverdaut – meistens […]

Tote Tropenfische

Ein verständnisloser, neurotischer Psychoanalytiker erzählte seinen Patienten immer wieder: „Es sind nicht die kleinen Neurosen der einzelnen Leute, die wir nicht verstehen, die uns quälen. Der Mensch ist von Grund auf und in seinem ganzen Gattungswesen neurotisch. Als Gattung ist dem Menschen bewusst und stimmt mit sich darin überein, dass er sich nach dem Guten […]

Schubert

Jeden Morgen nach dem Aufstehen zählt Schubert die rund achtundneunzigtausend Haare auf seinem Haupt. Nach dem letzten Haar – es ist dann spät am Abend – dokumentiert Schubert das Ergebnis in seiner eigens zu diesem Zweck angelegten Tabelle. Als nächsten Tagesordnungspunkt absolviert Schubert sein halbstündiges Programm zur Entspannung der Gesichtsmuskulatur. Schließlich legt sich Schubert ins […]

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