Der SchneideRing

Das poetische Hauptquartier

Mollusk

Die Bewusstwerdung der Wirkmächtigkeit der Worte ist die Wahrnehmung von Realitäten in einer absurden Welt. Am Anfang war das Wort, es steht am Ende alles Lebens wie wir es kennen. Der unachtsame Umgang mit dem Wort ist Blasphemie an der Sinnhaftigkeit alles Lebensentwurfes, das achtlos geschriebene Wort ein Sakrileg.
Ein ausgesprochenes Wort macht insofern einen Unterschied, wie ein fallender Baum ein Geräusch im Wald verursacht, auch wenn dieser möglicherweise menschenleer ist; wohingegen das niedergelegte und beglaubigte Wort Zeugnis gibt und unser Dasein statuiert in einer sonst leeren Welt. Ein Ding ist ein Ding, weil ich sage, es sei ein Ding. Vorher ist es das abstruseste Nichts, unsichtbar, nicht existent in diesem Dasein. Eine Rose ist eine Rose.
Die Gefährlichkeit mächtiger Worte zeigt sich in der Täuschung und der Manipulation: wenn von Frieden die Rede ist, und es herrsche Krieg; wenn Terroristen Freiheitskämpfer seien; wenn das Reich des Bösen das Arbeiterparadies sei. Und umgekehrt.
Das Wort ist am Anfang. Und es steht am Ende. Woher sollten wir sonst wissen, was das eine ist und was das andere. Ein Geist schwebt über den Wassern, wenn ich ihn benenne. Die Sonne scheint, weil sie so heißt.
Mollusken sind keine Zuckerschnecken.

© Rainer M. Scholz

Updated: 17. Februar 2017 — 15:12

The Author

Rainer Scholz

Rainer Scholz

Jg. 1968 verheiratet, 1 Kind M.A. der Philologie (Germanistik und so) Gelegenheitsarbeiter

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